Keine moderne Verschwörungserzählung kommt ohne Antisemitismus aus. Sie sind IMMER, sowohl historisch als auch strukturell, antisemitisch konnotiert. Sei es die Legende des Blutopfers aus dem mittleralter oder die angebliche „Elite“ die durch Finanz- und Zinspolitik die Welt regiert. Sie alle Richten sich gegen Juden_Jüdinnen und haben daher eine ähnliche Strukturlogik wie Antisemitismus.

Er ist die soziale Pathologie der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Dadurch wird sie bürgerliche Gesellschaft zum ermöglicher eines eliminatorischen Antisemitismus.

Historisch beginnen antisemitische Verschwörungserzählungen nicht mit der Moderne. Auch wenn sich diese Erzählungen im Kern nicht geändert haben („der Jude ist immer schuld“), so hat sich ihre Argumentation doch sehr verändert. Bereits seit dem Mittelalter wurde es durch Zunftausschlüsse Juden_Jüdinnen fast unmöglich gemacht einen Großteil der Berufe auszuüben. Einzige Ausnahme war das Bankenwesen, da die christlichen Kirchen ihren Anhänger_innen die Arbeit dort verboten und sie als Sünde ansahen. Mit dem aufkommen der Moderne, nahm auch die Rolle von Banken an Bedeutung zu. Dadurch waren Juden_Jüdinnen stark damit verbunden und waren überdurchschnittlich oft vertreten. Es entstand also eine Assoziation zwischen der „Herrschaft des Kapitals“ und Juden_Jüdinnen. Dabei wurde ihnen ein parasitäres Verhalten unterstellt: Während andere handfeste Arbeit ausüben, um ihr Land und ihre Nation aufzubauen, würden Juden_Jüdinnen sich nur an der Arbeit anderer bereichern und seien daher prinzipiell keinem Land oder einer Nation treu. Viel eher würden sie eine internationale Vernetzung bilden. Juden_Jüdinnen wurde dadurch eine Verschwörung unterstellt, da sie prinzipiell ja nicht in der Lage zu aufbauender Arbeit, geschweige den einer eigenen Nation, fähig seien, würden sie durch indirekte Wege – Geld- und Zinspolitik - versuchen die Herrschaft an sich zu reißen.

Innerhalb des kapitalistischen Systems mit seinen permanenten Krisen bieten Staaten dagegen einen Gewissen halt. Sie bilden Einheiten, in denen die Konkurrenz überschaubar bleibt. Als wirtschaftliche Standorte tragen sie Konkurrenz nach außen und schweißen die eigenen Bürger_innen klassenübergreifend zusammen und stellen sie gemeinschaftlich als Konkurrenz anderer Staaten und ihrem Kollektiv gegenüber. Doch die Staaten selbst haben auf einem global-kapitalistischen Markt nie das letzte Wort. So müssen auch sie sich dem Weltmarkt unterordnen. Dadurch erfährt das Staatliche Kollektiv eine Kränkung und der eindruck eine „fremden Macht,“ die die sich gegen den eigenen Staat wende, sei schuld an allem schlechten. Diese nicht greifbare Macht wird in Juden_Jüdinnen personifiziert und ihnen stellvertretend die Schuld zugeschoben. Juden_Jüdinnen gelten hierbei eben nicht als „minderwertig“ sondern als das absolute Gegenteil, ein „Antivolk“, also., welches der Selbsterfüllung des eigenen Volkes entgegensteht.

In Krisenzeiten besinnen sich Menschen immer wieder auf halt gebende Strukturen. So ist es nicht verwunderlich, dass Krisenzeiten immer Hochzeiten den Antisemitismus sind. Von der mittelalterlichen Pest bis zum Nationalsozialismus und drüber hinaus, lässt sich dies Beobachten. Im Falle des Nationalsozialismus, der die bisherige Spitze des Antisemitismus darstellt, lässt sich beobachten was Passiert wenn antisemitischen Erzählungen nicht konsequent widersprochen wird.

Sei es rechter Antisemitismus wie er sich im Faschismus zeigt, linker Antisemitismus bei BDS oder eben wie heute der Antisemitismus der bürgerlichen Gesellschaft in Form von „Querdenken“ und anderen Coronaleugner_innen. Niemals dürfen Antisemitische Standpunkte als „legitime Meinungen“ abgestempelt werden. Im Gegenteil! Sie müssen konsequent bekämpft werden!

Gegen jeden Antisemitismus und für die befreite Gesellschaft!

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